Ratgeber

ipconfig /all auswerten: was die Ausgabe verrät

„Schick mir mal ein ipconfig“ ist der häufigste erste Schritt bei Netzwerkproblemen unter Windows. Die Ausgabe von ipconfig /all ist aber lang und wird oft nur nach der IP-Adresse durchsucht. Dabei stehen die aussagekräftigsten Hinweise in den Zeilen darunter.

Warum ipconfig /all und nicht nur ipconfig

Ohne Parameter zeigt ipconfig je Adapter IPv4-Adresse, Subnetzmaske und Standardgateway; je nach Ausgabe auch IPv6-Adressen. Für eine Diagnose fehlen damit genau die Felder, die den Unterschied machen: DHCP-Status, DHCP-Server, DNS-Server, Lease-Zeiten, physische Adresse und der Medienstatus nicht verbundener Adapter. Der Zusatz /all ist deshalb Pflicht – Administratorrechte braucht er nicht.

Ein zweiter Punkt wird oft übersehen: ipconfig /all listet alle Adapter, auch virtuelle. VPN-Clients, Hyper-V-Switches, Bluetooth-Netzwerkverbindungen und WSL-Adapter tauchen dort auf. Bei Routingproblemen ist gerade diese vollständige Liste der entscheidende Hinweis.

Kommentierte Beispielausgabe

Die folgende Ausgabe stammt von einem fiktiven, funktionierenden Arbeitsplatz. Hervorgehoben sind die Felder, die man zuerst liest.

Windows-IP-Konfiguration

   Hostname  . . . . . . . . . . . . : ARBEITSPLATZ-042
   Primäres DNS-Suffix . . . . . . . : firma.intern
   Knotentyp . . . . . . . . . . . . : Hybrid
   IP-Routing aktiviert  . . . . . . : Nein
   WINS-Proxy aktiviert  . . . . . . : Nein

Ethernet-Adapter Ethernet:

   Verbindungsspezifisches DNS-Suffix: firma.intern
   Beschreibung. . . . . . . . . . . : Ethernet-Controller (Beispiel)
   Physische Adresse . . . . . . . . : 00-00-5E-00-53-11
   DHCP aktiviert. . . . . . . . . . : Ja
   Autokonfiguration aktiviert . . . : Ja
   IPv4-Adresse  . . . . . . . . . . : 192.168.10.42(Bevorzugt)
   Subnetzmaske  . . . . . . . . . . : 255.255.255.0
   Lease erhalten. . . . . . . . . . : Mittwoch, 12. August 2026 08:14:02
   Lease läuft ab. . . . . . . . . . : Donnerstag, 13. August 2026 08:14:02
   Standardgateway . . . . . . . . . : 192.168.10.1
   DHCP-Server . . . . . . . . . . . : 192.168.10.1
   DNS-Server  . . . . . . . . . . . : 192.168.10.10
                                       192.168.10.11
   NetBIOS über TCP/IP . . . . . . . : Aktiviert

Ethernet-Adapter Bluetooth-Netzwerkverbindung:

   Medienstatus. . . . . . . . . . . : Medium getrennt
   Verbindungsspezifisches DNS-Suffix:
   Beschreibung. . . . . . . . . . . : Bluetooth-Gerät (Personal Area Network)
   Physische Adresse . . . . . . . . : 00-00-5E-00-53-33

Beispieldaten: Alle Namen und Adressen in der Ausgabe sind fiktiv. 192.168.10.0/24 ist ein privater IPv4-Adressbereich; die MAC-Adressen stammen aus dem für Dokumentation reservierten Bereich nach RFC 7042.

Die Felder im Einzelnen

FeldWorauf es ankommt
HostnameMuss zum Ticket passen. Ein abweichender Name bedeutet, dass die Diagnose vom falschen Gerät kommt – der häufigste Grund für widersprüchliche Befunde.
Primäres DNS-SuffixEin leeres Feld bei einem Gerät, das eigentlich in der Domäne sein soll, kann auf ein fehlendes oder falsch konfiguriertes DNS-Suffix oder ein Problem mit der Domänenmitgliedschaft hindeuten.
MedienstatusSteht nur bei Adaptern ohne Verbindung. „Medium getrennt“ am Ethernet-Adapter eines Notebooks im WLAN-Betrieb ist normal, am Desktop-PC ein Kabel- oder Portproblem.
BeschreibungDer tatsächliche Adaptertyp. Hier erkennt man virtuelle Adapter von VPN-Clients, Hyper-V oder WSL, die der Anwender nicht erwähnt.
DHCP aktiviert„Nein“ bedeutet, dass der Adapter seine IPv4-Konfiguration nicht per DHCP bezieht; oft ist eine feste Adresse eingerichtet. In einem DHCP-Netz kann eine unerwartete feste Konfiguration zu falschem Subnetz, Adresskonflikten oder veralteten DNS-Einträgen führen.
IPv4-AdresseSollte im erwarteten Subnetz liegen. Eine automatisch konfigurierte Adresse aus 169.254.0.0/16 weist typischerweise darauf hin, dass keine brauchbare DHCP-Konfiguration bezogen wurde.
SubnetzmaskeEine falsche Maske kann dazu führen, dass Windows Ziele im eigenen Netz fälschlich über ein Gateway routet oder ein entferntes Ziel für lokal hält.
Lease erhalten / läuft abZeigt, wann die DHCP-Lease bezogen wurde und wann sie abläuft. Eine alte Lease bei kurzer Lease-Dauer kann auf ein Erneuerungsproblem hindeuten; prüfe auch den DHCP-Server und den aktuellen Verbindungsstatus.
StandardgatewayLeer bedeutet meist, dass Ziele außerhalb des direkt erreichbaren Netzes ohne zusätzliche Route nicht erreichbar sind. Mehrere Adapter mit eigenem Gateway können unklares Routing verursachen.
DHCP-ServerEin unerwarteter DHCP-Server – etwa ein privater Router im Firmennetz – kann falsches Subnetz, falsches Gateway und falschen DNS erklären.
DNS-ServerIm Firmennetz sollten die vorgesehenen internen Resolver eingetragen sein. Ein öffentlicher Resolver kann dazu führen, dass interne Namen nicht auflösbar sind, obwohl das Internet funktioniert.

Typische Fehlerbilder

Adresse aus 169.254.x.x

Wenn DHCP für IPv4 aktiviert ist und keine brauchbare DHCP-Konfiguration bezogen wird, kann Windows eine automatische private Adresse (APIPA) verwenden. Die Adresse allein beweist nicht, ob eine physische oder WLAN-Verbindung besteht.

Prüfen: Ist die Netzwerkdose auf ein VLAN ohne DHCP geschaltet? Fehlt eine 802.1X-Authentifizierung? Steht das Gerät in einem Gastnetz? Ein leeres Gateway und ein leerer DHCP-Server sind zusätzliche Hinweise, aber die Ursache lässt sich daraus allein nicht sicher bestimmen.

Kein Standardgateway

Adressen im lokalen Netz können erreichbar sein, während Ziele außerhalb davon nicht erreichbar sind. Der Anwender meldet oft: „Internet geht nicht, Drucker geht.“

Prüfen: Bei DHCP-Bezug fehlt möglicherweise die Router-Option (Option 3) oder sie wird nicht angewendet; bei fester Konfiguration wurde das Gateway eventuell nicht eingetragen. Ergänzend die Routing-Tabelle ansehen – dort kann die IPv4-Standardroute 0.0.0.0/0 fehlen.

Zwei Adapter mit Gateway gleichzeitig

Typisch bei aktivem VPN, angestecktem Dock oder gleichzeitiger LAN- und WLAN-Verbindung. Für ein Ziel wählt Windows anhand der passenden Routen aus; bei gleich langem Präfix spielt die kombinierte Routen- und Schnittstellenmetrik eine Rolle. Eine spezifischere Route kann Vorrang vor der Standardroute haben.

Prüfen: Welche Adapter haben ein Gateway, und wie sehen die Ziele und Metriken in der Routing-Tabelle aus? Das kann erklären, warum interne Server je nach Verbindungszustand erreichbar oder nicht erreichbar sind.

Falsche oder unvollständige DNS-Server

Öffentliche Seiten funktionieren, interne Freigaben und Anwendungen nicht. Das wird häufig als „Server ist down“ gemeldet.

Prüfen: Stehen die internen Resolver an erster Stelle? Ist die Reihenfolge auf allen Geräten des Standorts identisch? Anschließend die Namensauflösung selbst prüfen – eine korrekte Serverliste beweist noch nicht, dass der Server antwortet.

DHCP deaktiviert ohne erkennbaren Grund

Möglicherweise blieb eine feste Adresse aus einer früheren Fehlersuche eingerichtet. Das fällt mitunter erst später auf – etwa nach einer Subnetz-Umstellung.

Prüfen: „DHCP aktiviert: Nein“ zusammen mit einer Adresse, die zwar plausibel aussieht, aber außerhalb des aktuellen Bereichs liegt.

Prüfreihenfolge, die Zeit spart

  1. Hostname – kommt die Ausgabe vom richtigen Gerät?
  2. Welcher Adapter ist aktiv? Adapter mit „Medium getrennt“ zuerst ausschließen.
  3. IPv4-Adresse und Subnetzmaske – plausibles Subnetz oder APIPA?
  4. Standardgateway – vorhanden und im gleichen Subnetz?
  5. DNS-Server – intern, vollständig, in der richtigen Reihenfolge?
  6. Erst danach messen: Ping auf Gateway, dann auf eine IP-Adresse im Internet und schließlich auf einen Namen. Ein Ping testet ICMP; Filter können Antworten blockieren. Die Zahlenadresse umgeht die Namensauflösung, aber erfolgreiche oder fehlgeschlagene Pings belegen nicht allein die Erreichbarkeit einer Anwendung.

Wie man die Messwerte aus Schritt 6 interpretiert, steht im Artikel Paketverlust unter Windows prüfen.

admin-tools erfasst die Ausgabe von ipconfig /all zusammen mit Routing-Tabelle, DNS-Cache, ARP-Tabelle und Ping-Ergebnissen in einem Durchgang und stellt die Adapter samt IP-Konfiguration einzeln dar – damit entfällt das Durchsuchen der Rohausgabe.

Die Windows-Diagnosefunktionen beschreiben die verfügbaren Prüfungen. Eine statische Windows-Beispielauswertung zeigt den Bericht mit ausschließlich fiktiven Daten.